Debatte um CSDs in diesem Jahr: Durchführen oder ausfallen lassen?

„Lasst uns Abschied nehmen von den Prides 2020!“ Mit dieser Forderung entfachte Jan Feddersen auf MANNSCHAFT.com eine Debatte, ob und wie die Christopher-Street-Days im Jahr der Corona-Pandemie stattfinden können. Feddersen plädiert für die Absage aller CSDs in diesem Jahr:

Nein, CSDs sind schon aus Infektionsgründen dieses Jahr nicht gut zu machen – es läge Nervosität über allem, keine Heiterkeit, keine kämpferische Atmosphäre, die es braucht, um die nötige Energie nach aussen abzustrahlen. Wir könnten uns trösten: Die Absagen geschähen nicht aus homo- oder transphoben Gründen, nicht, weil ein fieser Staat gegen uns wäre.

Jan Feddersen

Der CSD Deutschland e. V. will die Hoffnung auf CSDs in diesem Jahr hingegen noch lange nicht aufgeben und hat darauf mit einem Statement reagiert. So sei klar, dass auch die CSDs als Deutschlands größte Bürger*innenbewegung von den Einschränkungen durch das Coronavirus und allen damit verbundenen Auswirkungen betroffen sind. Eine Demonstration in Zeiten von #socialdistancing durchzuführen ist unmöglich. Niemand weiß, wie lange dieser Zustand und die damit verbundenen Gefahren andauern. Für die vielen ehrenamtlichen Organisator*innen bedeutet dies eine große Herausforderung. Die Gesundheit der Bevölkerung steht hier im Vordergrund und bestimmt das Handeln. Die CSD-Organisator*innen sind sich ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung bewusst und rufen die LSBTIQ+ Communitys auf:

Bleibt zu Hause und meidet physische Kontakte, wo immer es geht! Nur indem wir jetzt alle vernünftig und verantwortungsbewusst agieren, erhöhen wir die Chance, diese Krise so glimpflich wie möglich durchzustehen – um danach wieder umso verbundener und aktiver auf die Straße gehen zu können.

CSD Deutschland e. V.

Der CSD Deutschland e.V. steht mit allen CSD-Vereinen und -Gruppen im engen Austausch, um das weitere Geschehen zu beobachten und gemeinsam Entscheidungen zu treffen, wie die CSD-Saison 2020 in Deutschland ausschauen wird und kann. In einer Videokonferenz mit mehr als 50 Teilnehmer*innen, an der auch der Vorsitzende des queerNB e. V. teilnahm, wurde bereits deutlich, dass dabei alle Beteiligten solidarisch miteinander umgehen. Das heißt nicht, dass wir Absagen gemeinschaftlich ausgeschlossen oder verneint werden. Doch alle tragen einen Funken Optimismus in sich, der in der jetzigen Situation vereint. Wir alle sind uns unserer Verantwortung gegenüber der LSBTIQ*-Community bewusst.

Wir alle sind der Meinung: Die Community muss weiterleben.

CSD Deutschland e. V.

Allen ist bewusst, dass die CSD-Saison 2020 anders ausfallen wird als gewohnt. Mögliche Ausweichtermine und Alternativen wurden bereits diskutiert bzw. festgemacht. Jedoch ist auch klar, dass der mit den CSD verbundene Kampf gegen die anhaltende Diskriminierung von LSBTIQ* und das Engagement für die LSBTIQ*-Community nicht stillstehen dürfen. Die CSDs sind wichtig für die Communitys, für die Sichtbarmachung marginalisierter Gruppen und das Empowerment ihrer Teilnehmer*innen. Daher müssten Wege gefunden werden, uns bemerkbar zu machen. Derzeit wird gemeinsam überlegt, wie Online-Veranstaltungen stattfinden oder Terminverschiebungen in den Winter aussehen können. Derzeit werden alle Ausweichtermine sowie Ausfälle auf der Homepage des CSD Deutschland gelistet und wöchentlich aktualisiert.

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