CDU-Politiker Ott hält erneut homophobe Rede

Der CDU-Politiker Sascha Ott ist durch eine Rede im Kreistag von Vorpommern-Greifswald erneut aufgefallen. Wie erst jetzt bekannt wurde, ereignte sich der Vorfall bereits im März dieses Jahres. Ott bezeichnete schwule, lesbische, bi – und transsexuelle Menschen als „mikroskopische Randgruppe“. Er lehne es ab, diese „aufzuwerten, bis sie mit der Mehrheitsgesellschaft auf einer Linie laufen“. Weiterhin sprach er davon, man solle stattdessen Respekt gegenüber Menschen zeigen, die „fleißig arbeiten“ und „Kinder im Sinne des Staates erziehen“. Hintergrund der Rede war ein Antrag im Kreistag auf das Hissen der Regenbogenflagge zum Greifswalder Aktionstag gegen Homophobie.[1]

Kritik kam unter anderem vom CSD Rostock. Dieser bezeichnete die Rede Otts als „hochgradig unangemessen und fordert ihn erneut zum Rücktritt als Direktor des Amtsgerichts auf.“ Der LSVD MV schließt sich dieser Kritik an und betont, dass Ott „in der Vergangenheit schon mehrmals mit Äußerungen zu queeren Themen aufgefallen“ ist.

Im März 2019 sprach Ott in einem Facebook-Kommentar intergeschlechtlichen und nicht-binären Menschen ihre Existenz ab: „Mit guten Recht kann [man] über den Irrglauben vom ‚Dritten Geschlecht‘ Witze machen – es ist nämlich ein Witz. Und wir sollten dafür sorgen, dass es auch so bleibt“[2].

Als Reaktion auf die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare äußerte sich Ott, dass diese „Scharlatanerie“ sei und als Ablenkung von der „programmatischen Leere in der Politik“ letztlich allen schade. „Viele Menschen entfremden sich von Politik, wenn die berechtigten Erwartungen der Mehrheitsgesellschaft ignoriert und stattdessen (vermeintliche) Anliegen von Minderheiten zum ‚Goldenen Kalb‘ erklärt werden“, meinte er zur Ehe-Öffnung für schwule und lesbische Paare.[3]

Sascha Ott ist nicht nur Mitglied der CDU-Fraktion im Kreistag von Vorpommern Greifswald. Er gehört auch dem Landesvorstand der CDU an. Zudem nimmt Ott als Direktor des Amtsgerichts Stralsund eine leitende Funktion in der Justiz des Landes ein.

Zu ihrem 75. Jubiläum hat die CDU einen Werbespot veröffentlicht. Darin sind u. a. zwei junge Männer zu sehen, die einander die Hand halten und sich verträumt in die Augen blicken.

Kurz vor ihrem 75. Jubiläum ringt die CDU noch immer um ihr Verhältnis zu queeren Menschen. In einem aktuellen Videoclip umgarnt die Union Schwule und Lesben. Im letzten Teil des Clips heißt es: „Wir wissen: Wir haben die Zeichen der Zeit nicht immer gleich erkannt.“ Und weiter: „Familie ist, wenn Menschen füreinander Verantwortung übernehmen.“ Zwei lachende Männer mit Tochter werden eingeblendet. Zumindest im CDU-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern lassen Otts Äußerungen Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieses Aussagen zurück.

Quellen:

[1] Kreistag Vorpommern-Greifswald: Beschlussprotokoll der 4. Sitzung des Kreistages Vorpommern-Greifswald. 10. März 2020, abgerufen am 1. Juli 2020.
[2] CDU-Politiker: Drittes Geschlecht ist „Irrglaube“ und „Witz“. Abgerufen am 1. Juli 2020.
[3] Hetzrede im Kreistag: CSD Rostock fordert Rücktritt von Sascha Ott. Abgerufen am 1. Juli 2020.

Text: CSD Rostock/queerNB; Bild: wikipedia/TUBS

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