Attentat auf Berliner CSD trifft in das Herz der Community
LSVD⁺: Dem Angriff auf unsere Sicherheit müssen politische Maßnahmen folgenBerlin, 26.07.2026. Nach einem Attentat auf die Berliner Christopher-Street-Day-Demonstration gestern Abend erklärt Alva Träbert aus dem Bundesvorstand des LSVD⁺ – Verband Queere Vielfalt:
Es fällt uns schwer, den Schock und die Trauer der queeren Community in Worte zu fassen. Eine Person ist gestern zur Demo für die Gleichberechtigung von LSBTIAQ* gegangen und hat dafür mit ihrem Leben bezahlt. Weitere 16 Menschen wurden teilweise lebensgefährlich verletzt. Unsere Solidarität gilt allen Opfern und ihren Angehörigen. Die Trauer der Community braucht nun ihren Raum. Diese nach aktuellem Ermittlungsstand islamistisch motivierte Tat ist aufs schwerste zu verurteilen. Dem gesamten Team des Berliner CSD gebührt unser Dank und unsere Hochachtung für die Organisation und den Einsatzkräfte für die schnelle Hilfe.
Der gestrige Angriff galt nicht einer Party, sondern einer politischen Demonstration für die Menschenrechte von LSBTIAQ*. Es ist damit auch ein Angriff auf demokratische Werte an sich.
Gestern Abend hat das Team des Berliner CSDs die Community aufgerufen, die Demo besonnen zu verlassen. Heute möchten wir dazu aufrufen, die nun anstehende Debatte besonnen zu führen. Hierbei lassen wir uns und unsere Trauer nicht instrumentalisieren. Wir appellieren an die Community, sich nicht spalten zu lassen. Queerfeindlichkeit muss als gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit insgesamt besser bekämpft werden.
Deswegen ist es jetzt das falsche Zeichen, die Finanzierung von Aufklärungsprojekten auch gegen Queerfeindlichkeit infrage zu stellen oder wegzukürzen. Der Anschlag zeigt, dass die Mittelstreichung der queeren Jugendarbeit von Lambda sowie von Teilen des Bundesförderprogramms „Demokratie leben“ falsch ist. Die dort Jahrzehntelange aufgebaute Expertise darf nicht abgebaut, sondern müsste gerade jetzt ausgebaut werden.
Die Bundesregierung hat mehrmals versprochen, sich für den Schutz der queeren Community einzusetzen (Quelle). Jetzt müssen diese Versprechen umgesetzt werden. Die konkreten Maßnahmen sind seit Langem bekannt: Als gesamtgesellschaftlichen Handlungsauftrag gegen Queerfeindlichkeit muss Artikel 3, Absatz 3 des Grundgesetzes endlich um den expliziten Schutz aller LSBTIAQ* ergänzt werden. Die IMK-Handlungsempfehlungen für Polizei, Justiz, Bildungs- und Sozialbehörden müssen vollständig umgesetzt werden. Statements der Solidarität sind wichtig und richtig, aber es müssen schnell und umfassend politische Handlungen folgen. Das kann den Anschlag nicht ungeschehen machen, aber würde der Community das Signal senden, dass die Angst und die Sorgen queerer Menschen endlich ernst genommen werden.
