Lesbische Opfer des KZ Ravensbrück sind nicht vergessen

Es ist zu einer kleinen Tradition geworden, dass in der Neubrandenburger CSD-Woche auch an das unfassbare Leid der lesbischen Opfer des KZ Ravensbrück gedacht wird. In diesem Jahr wurde ein Kranz am Gedenkort „Trauernde“ niedergelegt. Marcel Spittel, Vorsitzender des Vereins queerNB, hielt dazu folgende Ansprache:

„Am 17. April 2015 jährte sich die Befreiung des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück zum 70. Mal. Am selben Tag wurde auch Gedenkort „Trauernde“, an dem wir uns befinden, eingeweiht.

Dieser Gedenkort bezieht sich auf das Opfer von mehr als 6.000 Häftlingen des Konzentrationslagers Ravensbrück, die in den beiden Außenlagern des KZ Ravensbrück von 1942 bis 1945 als Zwangsarbeiterinnen Maschinenwaffen, Granaten, Flugantriebstechnik und Abwurfvorrichtungen für deutsche Bomber herstellen mussten.

Die lesbische Aktivistin Bettina Dziggel setzte sich bereits Ende der 1980er Jahre dafür ein, dass in das offizielle Gedenken an die Opfer des größten Frauen-Konzentrationslagers auch Lesben einbezogen werden. Als uns Bettina im März 2020 in Neubrandenburg besuchte, erzählte sie uns von ihrem Engagement. Sie sagte: „Überall wo Frauen sind, sind auch Lesben.“ Damit machte sie unmissverständlich klar, dass wir seit Jahrzehnten eine Lücke in unserer Erinnerungskultur haben. Die Geschichten queerer NS-Opfer und insbesondere die Geschichten der Lesben und trans* Personen in den Lagern blieben bislang viel zu oft unerzählt. Ihnen wollen wir heute gedenken.

Und während dieses Gedenken bereits vor vielen Jahren durch Iris Arndt in Neubrandenburg vorangetrieben wurde, ist es auch mir ein besonderes Anliegen immer wieder auf diese Menschen aufmerksam zu machen. Denn wir dürfen sie nie vergessen.

Und es gibt gute Nachrichten: Zum ersten Mal in der Geschichte wird der Deutsche Bundestag während seiner jährlichen Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2023 auch der homosexuellen NS-Opfer gedenken.

In diesem Jahr, am 1. Mai, wurde endlich eine Gedenkzeichen in Form einer Scheibe für die lesbischen Opfer des KZ Ravensbrück in dem ehemaligen Lager installiert. Sie trägt die Inschrift: „In Gedenken aller lesbischer Frauen und Mädchen im Frauen-KZ Ravensbrück und Uckermark. Sie wurden verfolgt, inhaftiert, auch ermordet. Ihr seid nicht vergessen.“

Mehr als 30 Jahre hatten sich Lesben um Bettina Dziggel dafür engagiert. Bettina konnte noch an der Einweihung am 1. Mai teilnehmen. Am 5. Juli dieses Jahres verstarb Bettina im Alter von 62 Jahren. Ich möchte heute auch an sie erinnern. Wir stehen in der Pflicht ihre Arbeit fortsetzen.“

Text/Bild: queerNB

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