RKI-Studie zur gesundheitliche Lage von LSBTI: Große Defizite für trans- und intergeschlechtliche Person

Das Robert-Koch-Institut steht momentan vor allem aufgrund der Corona-Pandemie im Interesse der Öffentlichkeit. Dabei droht eine aktuelle Studie des RKI unterzugehen. Ihr Thema ist die gesundheitliche Lage von LSBTI. In der Studie, die kostenlos im Internet verfügbar ist, werden internationale Studien aus den letzten 20 Jahren zusammengefasst.

Dabei stellen die Autor*innen fest, dass nicht individuelle geschlechtliche Identität oder sexuelle Orientierung die Ursache für Unterschiede in der Gesundheit im Vergleich zur Gesamtbevölkerung sind, sondern vielmehr der gesellschaftliche Kontext: Für LSBTI kann sich die vorherrschende gesellschaftliche Ausrichtung an Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität nachteilig auf die Lebenssituation und Gesundheit auswirken. Umgekehrt kann eine wachsende Anerkennung positive Effekte auf Zufriedenheit und Gesundheit haben. Weitere Ergebnisse zusammengefasst:

  • Insgesamt stellt die Studie heraus, dass es insbesondere für LSB in den vergangenen Jahren viele Fortschritte gab. Dennoch bleiben weiterhin auch Defizite in der gesellschaftlichen und rechtlichen Gleichstellung und medizinischen Anerkennung bestehen. Besonders sind davon trans- und intergeschlechtliche Menschen betroffen.
    • Durch das veränderte Personenstandsgesetz, können intergeschlechtliche Menschen bei ihrem Geschlechtseintrag neben „weiblich“ oder „männlich“ alternativ auch „divers“ angeben oder die Angabe offen lassen können. Jedoch müssen intergeschlechtliche Personen vor der Änderung des Personenstands ein ärztliches Attest erbringen, um eine Änderung ihres Geschlechtseintrages zu erwirken. Dies wird von vielen intergeschlechtlichen Menschen als diskriminierend empfunden.
    • Das sogenannte Transsexuellengesetz wird von transgeschlechtlichen Menschen in vieler Hinsicht als diskriminierend empfunden. So muss z. B. eine Änderung des Vornamen und des Geschlechtseintrags durch zwei Sachverständigengutachten und ein Gerichtsurteil bestätigt werden. Die dafür anfallenden Kosten trägt die der antragstellenden Person.
  • Mehr als die Hälfte der LSB leben in Großstädten mit über 100.000 Einwohner*innen, während dies für ein Drittel der Heterosexuellen gilt.
  • LSB leben seltener in Partnerschaften und verlassen sich stärker als heterosexuelle Menschen auf außerfamiliäre Unterstützungsnetzwerke.
  • Soziale Bewegungen und zivilgesellschaftliche LSBTI-Organisationen haben durch ihre Öffentlichkeitsarbeit positive Selbst- und Fremdwahrnehmungen von LSBTI-Menschen gefördert und einen zentralen Beitrag für die wachsende gesellschaftliche Anerkennung geleistet.
  • Erfahrungen als Teil einer geschlechtlichen beziehungsweise sexuellen Minderheit zu sein, kann zu Stress führen und in der Folge die körperliche und psychische Gesundheit beeinträchtigen sowie das Gesundheitsverhalten negativ beeinflussen
  • Eine wichtige Ressource in der Bewältigung von diskriminierenden Erfahrungen und in der Ausbildung eines positiven Selbstbildes stellen LSBTI-Communities und deren zivilgesellschaftliche Organisationen dar, die wichtige Anlauf-, Vernetzungs- und Beratungsangebote bereitstellen. Der Kontakt zu Menschen mit ähnlichen Lebenserfahrungen und Interessen, sowie gemeinsame Aktivitäten, können das psychische Wohlbefinden positiv beeinflussen.
  • LSBTI nehmen Früherkennungsuntersuchungen und medizinische sowie psychologische Hilfe seltener oder später in Anspruch. Als Gründe für die verzögerte oder ausbleibende Inanspruchnahme medizinischer Leistungen werden erwartete oder erfahrende Diskriminierungen berichtet. Weiterhin werden mangelndes Fachwissen und Kompetenzen beim medizinischen Personal als Gründe für eine verzögerte Inanspruchnahme benannt – eine Erfahrung, die insbesondere transgeschlechtliche Personen häufig auch in Neubrandenburg erleben.
  • Insgesamt besteht eine Forschungslücke zu gesundheitsförderlichen Faktoren von LSBTI-Personen. Weiterhin gibt es viele Hinweise, dass die Gesundheitsversorgung noch nicht ausreichend an die Bedarfe von LSBTI-Personen angepasst ist und es häufig an Fachwissen und Sensibilisierung im Umgang mit LSBTI-spezifischen Gesundheitsthemen fehlt.
  • Eine spezifische Berücksichtigung von LSBTI-Personen in bevölkerungsrepräsentative Studien und Monitoringsystemen ist erforderlich, um gesundheitliche und soziale Ungleichheiten verstärkt sichtbar zu machen und die Diskussion über Handlungsbedarfe mit Daten zu untermauern. Darüber hinaus sollten für eine diskriminierungssensible Berichterstattung jene Menschen, über die berichtet wird, in die Konzeption des Studiendesigns, die Erhebung, Auswertung und Verschriftlichung von Ergebnissen einbezogen werden.

Link zur Studie: Die gesundheitliche Lage von lesbischen, schwulen, bisexuellen sowie trans- und intergeschlechtlichen Menschen

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